Von Freising auf höchsten Berg von Oberfranken
20. - 22. September 2010
Für
alle Freunde und Interessierte an "höchsten Punkten" in dieser Welt
vorab die folgende wichtige Informationt: der
höchste Berg Oberfrankens ist der Schneeberg. Er gehört zum
Fichtelgebirge, ist 1 051 m hoch und liegt etwa 25 km nordöstlich
von Bayreuth. Und: weil die Bundeswehr auf diesem Gipfel lange Jahre
eine Anhörstation für den Funkverkehr in den Staaten des Warschauer
Paktes unterhalten hat, führt eine baby-popo-glatt asphaltierte Straße
bis auf den Gipfel.
Und genau dieses Ziel hatten Bernhard und ich uns
anlässlich der Befahrung des höchsten Berges von Mittelfranken, des
Hesselbergs (783 m ü. NN) am Nordrand des Nördlinger Ries, im Jahre
2006 ins Auge gefasst. Aber von da ab sollten noch vier lange,
entbehrungsreiche Jahre ins Land gehen, bis wir wirklich auf dem "Dach
Frankens" stehen konnten.
Am Montag, den 20. September war es
dann endloch soweit: während alle fleißigen Menschen aus Freising und
Umgebung brav zur Arbeit gingen, packten wir unsere sieben Radsachen
zusammen und um neun Uhr starteten wir dann in einen Bilderbuchmorgen
mit makellos blauem Himmel. "Wohlan, die Luft geht frisch und rein! Wer
lange sitzt, muss rosten. Den allerschonsten Sonnenschein lässt uns der
Himmel kosten." - so singt der Franke bei solchen Gelegenheiten ..
Durch
wohl bekanntes Terrain nahmen wir die Strecke über Handlfing, Palzing,
Jägersdorf und Oberhaindlfing nach Au in der Hallertau. Eine Lust war
es, so durch den klaren frischen Tag zu radeln und diese Freude bekam
auch nur einen leichten Kratzer, als wir das für eine erste Kaffeepause
angesteuerte und in Radlerkreisen viel besungene Café Zintl in Au
geschlossen vorfanden: "Ruhetag" stand da
lapidar an der Türe. Naja, im nahen Mainburg gibt's ja noch den
"Lutzenburger" und der hat auch leckere Kuchen. Gedacht, getan! Nach
einer knappen halben Stunde standen wir vor dem Mainburger
Zuckerbäckertempel und nahmen die erste Stärkung des Tages zu uns. Die
netten Damen im Café wollten mir am Ende noch den neu kreierten
Hopfenlikör der Firma Lutzenburger zum Probieren kredenzen, aber
das musste ich mit Blick auf die vieln noch bevorstehenden Kilometer an
diesem Tag leider strikt ablehnen.
So
rollten wir zügig weiter durch die Holledau. Die Hopfenernte war in
vollem Gange und in der Nähe der automatischen Pflückmaschinen duftete
es wunderbar herb-aromatsich-frisch. Das Städtchen Siegenburg
durchmaßen wir in raschem Tempo und erst der "Kuchlbauer" in Abensberg
vermochte unseren Vorwärtsdrang ein wesentliches Hindernis in den Weg
zu stellen: Schweinsbraten mit Knödeln, genossen auf der Terrasse vor
der Wirtschaft mit Blick auf die historische Altstadt - da kann auch
der ambitionierteste Radler nicht "Nein" sagen.
Nach dem Essen
mussten wir natürlich auch noch dem neunen Hundertwasser-Turm an der
Kuchlbauer'schen Brauerei einen Besuch abstatten. Der Zutritt ist
jedoch nur im Rahmen einer Führung möglich und dafür löhnt ein
Erwachsener stattliche 14 Eurolein, was uns schnell Abstand von der
Sache gewinnen ließ.
Über ein paar Hügelchen und absolut
autofrei brachte uns der Radweg "Abensberg - Kelheim" rasch nach Saal
und ab da folgten wir dem bestens präparierten Donauradweg
flussabwärts. In Bad Abbach verspürten wir bereits wieder eine gewisse
Leere in der Magenregion und so trieb es uns ins Bistro "Kneitinger" in
der Fußgängerzone, wo wir es gar nicht mal so gut trafen: es war halt
schon leicht heruntergekommen und die Klientel entsprach auch so gar
nicht dem, was man sich in einem gut geführten Kaffeehaus erwartet.
Aber sei's drum: wir haben's überstanden und nahmen wieder den
Donauradweg unter die Räder. Klasse rollte es dahin, als auch Höhe von
Matting plötzlich ein dog von rechts völlig überraschend aus einem
Maisfeld auf den Radweg sprang - quasi direkt vor meinen Vordereifen.
Ich stieg derart in die Eisen, dass mir der Bremszug zur hinteren
Felgenbremse glatt durchriss. Kacke! Das war geau das, was wir jetzt
brauchten. Ein paar Kilometer später machten wir also einen kleinen
Abstecher zum Zweirad - Stadler in Regensburg, der auch die passenden
Züge parat hielt; reparieren wollte ich das Ganze aber erst am Abend.
So
überquerten wir die Eisenbahnbrücke bei Sinzing und nahmen ab Mariaort
den Naatal-Radweg in Angriff. Weiter rollten wir zügig dahin, wobei ich
immer dran denken musste, dass ich ja nur noch eine, nämlich die
Vorderbremse mein funktionierend eigen nennen konnte. Aber die Sache
lief dank des verkehrsfrei geführten Radwegs wie geschmiert, sprich:
fast ohne dass Bremsmanöver nötig gewesen wären und um halb sieben
liefen wir im malerischen Kallmünz ein. Zufällig stand beim Gasthof
"Luber" ein Mann drau0en, der sich vorteilhafterweise auch gleich als
der Chef persönlich herauskristalisierte: damit war das Zimmerproblem
für diese Nacht gelöst. Leider hatte die Wirtschaft selbst wegen
Ruhetag geschlossen, aber, aber, aber: die Rettung nahte sofort in
Gestalt eines Hinweises auf frisches Zoigl-ier in der angegliederten
Wirtshaus "Zum Bürstenbinder".
Nachdem wir uns in unserem
"Appartment" (ja, das war es wirklich!) entsprechend breit und auch
sauber gemacht hatten, traten wir also den erwartungsvollen Fußmarsch
auf den Dorfplatz an, um im besagten Zoigl-Tempel früöliche Einkehr zu
nehmen. Das taten wir dann auch ausgiebig und kamen bei Kartoffelsuppe
und Bauchstecherla mit einem Ehepaar aus Nürnberg ins Gespräch, das
sich auch der Flucht vor einer Familienfeier in das malerische Örtchen
"verirrit" hatte. Aber schon um zehn Uhr abends zollten wir den
heutigen knapp 130 km Strecke Tribut und sanken in die weichen Kissen
unseres anitken Bettes.
Der neue Morgen brachte das alte Blau,
sprich: makelloses Wetter, wohin man auch blickte und gar so kalt oder
gar neblicht war es trotz der nahen Naab auch seltsamerweise nicht. Das
Frühstück beim "Luber" war - heutzutage mittlerweile völlig unüblich -
kein Buffet, sondern jeder Tisch wurde individuell gedeckt und mit den
nötigen Viktualien bestückt. Alles war da, bloss auf ein Müsli
wartenten wir halt a bisserl vergebens. Aber das war nagesichts
Frühstückei, Obstsalat und Co. leicht zu verschmerzen.
Um neun
Uhr starteten wir wiedre, immer weiter dem Lauf der Naab (der "Nouuh",
wie der aboriginee sagt) in Richtung Norden folgend. Ein Hauch von
Nebel über Berglengenfeld zerstieb, als wir uns unerbittlich näherten.
In Schwandorf war es schon richtig schön warm und da traf es sich
ideal, dass fast direkt am Radweg ein Radgeschäft lag, das sich auch
gleich bereit erklärte, sich meiner Bremse zu erbarmen.. In der
Zwischenzeit nahmen Bernhard und ich einen gemütlichen Kaffee in der
nahen Innenstadt. Nach einer dreiviertel Stunde war dann alles wieder
in Butter, bzw. der Zug in der Tülle und mit neu erwachter Lust am
flotten Radeln und ohne Angst um evtl. zu lange Bremswege trat ich
frisch in die Pedale.
Hinter Schwandorf wird der Naabtal-Radweg
auf neuer Trasse geführt, was bedeutet, das er nicht mehr die schön
geteerte Straße über Deiselkühn nach Schwarzenfeld nimmt, sondern über
weite Strecken äußerst holprig über zum Teil schlimme Feldwege läuft -
das muss man sich für eine nächste Befahrung mal scharf merken! Kurz
vor Weisen dann ein seltsames Geräusch beim Runterschalten: da wird
doch nciht der zweite Bowdenzug auf dieser Fahrt ...... ? Naja, nach
der Mittagspause im schön angelegten Weidener Stadzentrum erwarb ich
vorsichtshalber mal einen Schaltzug in einem nahen Radgeschäft. Wir
selbst saßen am zentralen Marktplatz in der gleißenden Sonne und ließen
uns von einem griechischen Mitbürger seiner Herkunft entsprechende
Speisen auffahren. A bisserl müd' waren wir da schon und auch der
abschließende Kaffee konnte das nicht völlig überdecken. So holperten
wir nach Neustadt an der Waldnaab ("Neistaadl") - Waldnaab deshalb,
weil uns kurz vor Weiden einer der Quellflüsse der Naab, die Heidenaab,
verlassen hatte und nun nur noch das übrig blieb, was "aus dem Wald"
daher geflossen kam: und das ist dann halt die Waldnaab.Bergig wurde es
auch: steil den Mühlberg rauf aus "Neistaadl" hinaus und weiter hinauf
nach Denkenreuth. Dann in lustigem Auf und Ab auf dem Zoigl-Radweg
hinein nach Windisch-Eschenbach ("Tschitscherlbooch").
Dort
wollten wir unsere tägliche Kaffeepause einlegen, allein es fehlte an
entsprechenden Etablissements; zumindest fanden wir auf die Schnelle
nichts Gescheites. Auf dem Weg nach Erbendorf zwangen uns die
Wegverhältnisse rasch in die kleinen Gänge. Dies nicht so sehr wegen
irgendwelcher scharfer Steigungen, als vielmehr wegen der
Oberflächenbeschaffenheit des Weges, der halt ein paar Kilometer lang
arg schotterig war.

Auf dem Radweg durch das Waldnaab - Tal
Im
Bereich der kontinentalen Tiefbohrung (KTB, müsst Ihr mal googeln!)
gab' sfür kurze Zeit wieder Asphalt und dann nochmal 500 m übelster
ausgewaschener Feldwegpiste. Aber ab Krummennaab erwartete uns dann als
Belohnung für erlittene Qualen ein Radweg, der auf einer alten
Bahntrasse angelegt worden ist: feinster Asphalt mit kommoden
Steigungen! Einfach toll! Leider war dieses Radlerglück nur von kurzer
Dauer (halt wie immer), denn ab Erbendorf mussten wir auf die ziemlich
scharf befahrene Staatsstraße, die direkt ins südliche Fichtelgebirge
hineinführt. Aber auch hier waren unsere Bauingenieure nicht untätig
und! Sie hatten sich gegen alle Jagdgenossenschaften durchgesetzt, die
asphaltierte Wege durch ihre Reviere grundsätzlich abblocken. So
konnten wir ab Götschenreuth bis hinaus nach Neusorg wiederum beste
Wegverhältnisse konstatieren. Die Steigung war da, allerdings meist nur
unmerklich, denn der Lauf der ohne grosses Gefälle dahin fließenden
Fichtelnaab (das war mittlerweile der Rest der einst stolzen Naab) gab
den Lauf der Dinge vor. Nur nach Neusorg hinauf mussten wir gescheit
knechten, mit bis zu 12 % Steigung, aber auch das ging noch
einigermaßen.
Mittlerweile stand der Planet schon arg tief im
Westen und wir wurden nach bislang gut 120 km auch nicht munterer. So
folgten wir mit immer gemäßigter werdenendem Tempo einem neuen Radweg:
dem Fichtelnaab-Radweg, der ab Neusorg, wiederum auf einer ehemaligen
Bahntrasse, bestens präpariert worden war. So durchquerten wir Ebnath
und Brand und kamen schließlich fast im letzten Büchsnelicht in
Fichtelberg an. Ein kleiner Anruf im Waldhotel "Fichtelsee" bescherte
uns unser heutiges Nachtquartier und dann bescherte uns die Straße
durch den Ort noch zwei ziemlich saftige Steigungen, bis wir endlich am
See einliefen.

Das Waldhotel am Fichtelsee
Die
Küche hielt extra wegen uns ein wenig länger geöffnet und so konnten
wir uns nach heute fast 150 km zumindest noch angemessen stärken.
Trotzdem fielen wir recht bald in die Betten.

Der Fichtelsee bei Fichtelberg im Fichtelgebirge (ganz schön viel "Fichtel")
Am
nächsten Morgen ein grandioser Blick auf den kleinen See im Wald: die
Sonne stand gerade so hoch, dass die Wasserfläche teilweise in warmes
Licht getaucht war. Rinsgum die frischgrünen Fichtenwäler und ein
zartes Nebelkräuseln direkt über dem Wasser. Und dazu eine für uns vom
Flughafen geplagte Freisinger geradezu gesprenstisch anmutende Stille.
Über allem thronte der "géant de la Franconie", unser eigentliches Ziel
"Schneeberg". - Wir selbst thronten erst mal im Frühstücksraum über dem
See und schlugen kräftig zu, denn jetzt sollte es gleich zur Sache
gehen.
Ich wechselte noch schnell mein Gangschaltungsseil, das
nach dem gestrigen seltsamen Geräusch doch tatsächlich kurz vor dem
Durchreißen stand. Solchermaßen gerüstet, stateten wir in den klaren
Morgen. Bis zur B 303 war es einigermaßen flach und auch danach ging es
zunächst erst mal gute vier Kilometer bergab. Aber dann! An der
"Hustenburg" von Bischofsgrün (Lungenheilstätte) rechts abgebogen und
hinauf ging's zum Schneeberg! Bis zu 10% steil diese ersten anderthalb
Kilometer, also durchaus noch ohne große Probleme machbar.

Abhörturm der Bundeswehr auf dem Schneeberggipfel (1 051 m ü. NN)
Dann
der Abzweig zur Gipfelstraße: stetig mit 10 % hinauf, dann kurz in der
Steigung nachlassend und erneut auf langer Geraden wieder die 10 %
vorgebend, schraubten wir uns langsm höher. Steiler wurde es und
steiler: bis 13 %! Dann wieder eine kurze Erholungsstrecke, die etwas
flacher war und am Ende nochmal 10 - 13 %, die wie Nadeln in die Beine
fuhren! Aber nach etwa 3 km waren wir dann oben!

Der Rolf auf dem Aussichtsturm "Backöfele" auf dem Schneeberg
Die
militärischen Anlagen standen noch, auch wenn seit 16 Jahren ungenutzt.
Ansonsten war das "Backöfele", der angestammte Aussichtsturm aus den
zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, frei zugänglich und da
stiegen wir natürlich gleich hinauf. Von oben hatten wir eine recht
gute Fernsicht und ich erklärte Bernhard zwar nicht die Welt, aber doch
die umliegenden Lande.

Bernhard vor dem Backöfeleturm auf dem Schneeberg (1 051 m ü. NN)
Ein
halbes Stündchen blieben wir wohl da oben, bevor wir die rauschende
Abfahrt antraten, die für mich eher beschaulich verlief, da ich meinem
frisch eingezogenen Bremsseil von gestern plötzlich doch nicht mehr so
richtig trauen wollte. So geschah es wohl zum ersten Mal in unserer
Zeitrechnung, dass Bernhard mich bergab glatt überholte.

Egerquelle am Nordhang des Schneebergs
Naja,
nach nicht allzu langer Fahrt war dann das steilste Stück geschafft und
wr bogen links ab zur Egerquelle. Hier geboten allerley Gedenktafeln
der "Egerländer Gmoi" (wieder: googeln, Leute!) so wie ein recht
erhebendes Gedicht fast schon vaterländisch anmutende innere
Einkehr.

Gedicht an der Egerquelle
Da
wir dieser Stimmungslage nicht so recht zu folgen vermochten und sich
außerdem schon wieder so ein gewisses unbestimmtes leises Hungergefühl
einzuschleichen begann, rollten wir die restlichen paar Kilometerchen
hinunter nach Weißenstadt, fuhren ein Stück am See entlang und hielten
dann kulinarische Einkehr im "Deutschen Haus".

Der Weißenstädter See im Fichtelgebirge
Danach
schlich sich eine ziemliche Mittagsträgheit ein und etwas müde nahmen
wir den Radweg nach Kirchenlamitz (wieder auf der Trasse einer
stillgelegetn Bahnlinie) unter die Pneus. Diesmal zwar kein Asphalt,
aber der feine Sanduntergrund gestattete ebenfalls eine komfortable
Fahrerei.

Radweg nach Kirchenlamitz
Über
eine ziemliche Holperstrecke gelangten wir nach Hallerstein und von
dort hinunter ins Saaletal. Da gab es wieder einen Radweg, der uns über
Schwarzenbach und den Ort
mit dem wenig erbaulich klingenden Namen Oberkotzau recht flott nach
Hof brachte

Saale - Radweg bei Oberkotzau
Und
dann, nach dem Bezwingen des Schneeberggipfels, der zweite
Höhepunkt des Tages: der Besuch im Café Vetter! Ha! Zwei Stück Torte
pro Mann und eine schöne Portion Kaffee dazu! Und weil's so schön war
und wir bis zur Abfahrt unseres Zuges noch anderthalb Stunden Zeit
hatten: rein zur "Meinel's Bas" in den Biergarten und in der warmen
Nachmittagssonne schnell noch eins "gepitscht"....... naja, ich
natürlich zwei! ...... Wenn man auch schon mal da ist ........

Bernhard in der "Meinel's Bas" in Hof
Kutz vor sechs Uhr abend bestiegen wir dann den Zug, der uns in gut drei Stündchen wieder nach Freising brachte.

Der ALEX zurück nach Freising